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Saarländischer Rundfunk28.07.2003
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Ein Leben mit der Sucht „Alkohol“

Dietmar Mees, 48, ist selbständiger Suchtberater und glücklicher, trockener Alkoholiker. Vor drei Jahren sah das noch ganz anders aus. Am 17. Mai 2000 geht Mees zu seiner Hausärztin, bekennt: „Ich kann nicht mehr, ich brauche Hilfe!“ Der erste Schritt in die richtige Richtung.

(28.07.2003) Damals war der eigentlich erfolgreiche Leiter des Rechnungswesens einer Unternehmensgruppe im Saarland auf dem absoluten Tiefpunkt. Er konnte keinem mehr erklären, warum er so viel trinkt. „Das Kartenhaus ist mit einem Mal zusammen gefallen“, erklärt Mees. „Wie es dazu kam, weiß ich gar nicht. Es wurde immer mehr. Die Krankheit schlich sich in mein Leben ein. Ich bin fast nie betrunken aufgefallen. Ich brauchte halt immer nur meine 1 bis 1,5 Promille, um zu funktionieren.“ Getrunken hat Mees alles. Vom einfachen Bier bis zum Wodka. „Als Autofahrer war ich damals eine lebende Bombe!“

Volkskrankheit "Alkoholismus"
Mees ist kein Einzelfall. Zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland unter der Krankheit „Alkoholismus“. Rechnet man die Angehörigen mit dazu, kommt man auf 30 Millionen Deutsche, die direkt oder indirekt mit dem Problem konfrontiert sind. Jährlich sterben in Deutschland zirka 40.000 Menschen an der Krankheit Alkohol. Würden auch die Todesfälle berücksichtigt, bei denen Alkohol unmittelbar zum Tode geführt hat, dann würde sich die Zahl vervielfachen

Raus aus der Sucht
Die Hausärztin schickte ihren Patienten zur Entgiftung in das Krankenhaus St. Josef Dudweiler. Der Körper wurde schnell, innerhalb von sechs Tagen, mit Hilfe von Tabletten in der Entgiftung vom Alkohol befreit. Langwieriger und schwieriger sollte die Therapie sein. Ort: Fachklinik Thommener Höhe in Daun/Eifel. Vier Monate Therapie, die sich aus Gruppengesprächen, Einzelgesprächen mit dem Therapeuten und Sport sowie Ergotherapie zusammen setzte. „Die Therapie war wirklich hart. Mein Therapeut setzte die Bohrmaschine an und gemeinsamen fanden wir einen Weg aus der Sucht!“ beschreibt Mees seine Erfahrung in der Klinik.

Dietmar Mees nutzte die Chance. Viele andere lassen sie verstreichen. Eine einzige Therapie genügte, um die Krankheit zum Stillstand zu bringen. Als geheilt sieht er sich nicht. „Eine Heilung gibt es nicht. Ich bleibe Alkoholiker – und zwar bis an mein Lebensende.“ Aber er weiß nun schon seit drei Jahren damit umzugehen. Er führt ein normales Leben mit Feiern und Geselligkeit, aber ohne die Droge Alkohol.


Dietmar Mees
Selbständiger Suchtberater

Auch beruflich ist Dietmar Mees neue Wege gegangen. Jetzt hat er sich in der Suchtberatung selbständig gemacht und sich damit neue Ziele gesetzt. Nach zwei Jahren Erfahrungen als Leiter der Selbsthilfegruppe St. Josef Dudweiler und verschiedenen Weiterbildungen hält er Vorträge über die heimtückische, tödliche Krankheit. Außerdem bietet er Seminare für Unternehmen an. Er berät sowohl Betroffene ebenso wie Angehörige. Etwas Vergleichbares gibt es im Saarland bislang nicht. Günter Dell, Mitbegründer der Dudweiler Selbsthilfegruppe: „Dietmar Mees kennt die Probleme der Abhängigkeit. Er kann sich in andere hinein versetzen. Und genau darauf kommt es an - zu fragen: Wie sieht es in dem Alkoholkranken innerlich aus? Hieraus kann Hilfe reifen!“

Dieter Schmitt

Ratschlag
"Es gibt Hilfe. Man muss sich nicht schämen, wenn man der Droge Alkohol verfallen ist. Alkohol ist die gesellschaftsfähigste Droge aller Zeiten. Alkoholismus ist eine Krankheit, die früher oder später zum Tod führt.
Deshalb warten Sie nicht, bis es zu spät ist. Gehen Sie zu Ihrem Arzt. Wenden Sie sich an eine der Selbsthilfegruppen oder setzen Sie sich mit mir in Verbindung. Lassen Sie sich helfen.
Denken Sie nicht darüber nach, was die anderen über Sie denken. Denken Sie an sich und Ihre Gesundheit!"

Dietmar Mees

Vortrag
„Mein Leben mit der Sucht.
Die Biografie eines Managers & Alkolikers.“

  • Ort: VHS Stadtverband Saarbrücken
    Am Schloßplatz, Altes Rathaus
  • Zielgruppe: Angehörige von alkoholkranken Menschen, Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik Ärzte und einfach nur Neugierige
  • Daten: 31.07.2003 / 28.08.2003
    Zeit: 19.30 Uhr / Dauer: ca: 2,5 Std.
  • Kostenbeitrag: 10,00 Euro
  • Voranmeldung erforderlich bei der VHS
    unter 0681/506 4343 und – 4344

Weitere Infos: www.suchtberater-coach.dmees.de



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Letzte Aktualisierung: Montag, 28.07.2003 - 10:53 Uhr

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